Work, work, work....
Home Office – Fluch oder Segen? Die Vor- und Nachteile des Home Office

Mein Alltag sieht für gewöhnlich so aus: ich stehe um 6 Uhr auf, mache mir zu aller erst einen Kaffee, wecke meine Tochter und während sie frühstückt, schmiere ich ihr Pausenbrot. Dann wird sich fertiggemacht und wir verlassen gemeinsam das Haus – Laura geht zum Bus und ich gehe eine Runde mit Sammy Gassi. Wenn ich dann nach Hause komme, setze ich mich in mein Büro und arbeite.

Vier mal die Woche sieht der Tagesbeginn so aus – Donnerstags ist dann Büro-Tag und ich fahre (wie die meisten Arbeitnehmer eben auch) zu meinem Arbeitsplatz in die Firma. Den Rest der Woche arbeite ich von zu Hause aus und das inzwischen schon seit 7 Jahren. Ich bin also ein alter Hase was das Arbeiten von zu Hause anbetrifft.

 

Lautsprecher Schreibtisch Medion Internetradio

 

Von zu Hause aus arbeiten – was für ein Luxus…

Als ich vor sieben Jahren angefangen habe von zu Hause aus zu arbeiten, habe ich oft neidische Blicke geerntet, als ich davon erzählte. Ein Home Office setzen viele gleich mit purem Luxus, Freiheit, freier Zeiteinteilung – ja, schon fast Freizeit. Kein Chef, der einem über die Schulter guckt und keine nervigen Kollegen (dabei sind meine Kollegen noch nicht mal nervig). Mein Umfeld war der Meinung ich hätte alle Freiheiten, und könnte nebenbei noch den Haushalt schmeißen – schließlich bin ich ja zu Hause.

Was für viele nach traumhaften Arbeitsbedingungen klingt, hat aber auch Schattenseiten. Es ist eben nicht alles Gold was glänzt.

Vor allem in der ersten Zeit fiel mir die Umstellung schwer. Während ich sonst etwa eine Stunde Fahrtzeit zum Büro hatte – war ich nun ganz schnell an meinem Arbeitsplatz. Im Prinzip könnte ich morgens aus dem Bett fallen und mich direkt an die Arbeit setzen – könntet Ihr dann schon arbeiten? Ich jedenfalls nicht – ich brauche eine gewisse “Vorbereitungsphase”. Genauso ging es mir zum Feierabend – Computer aus, Bürotür zu und schwupps! ich bin zu Hause. Früher war es die einstündige Autofahrt, die den nötigen Abstand zwischen Arbeit und Privat brachte – jetzt ist es nur eine Tür.

Und genau deswegen ist es auch wichtig einen seperaten Raum für das Home Office zu haben. Wenn meine Ordner und Unterlagen im Esszimmer auf dem Tisch liegen würden, hätte ich wohl nie das Gefühl von Feierabend.

 

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Home Office – die Vorteile

Die Vorteile vom Home-Office liegen für mich klar auf der Hand. In erster Linie ist es die Zeitersparnis. Ich spare täglich etwa 2 Stunden Fahrtzeit. So kann ich – wenn ich will – mehr Stunden arbeiten als ich es in der Firma könnte. Oder es bedeutet eben auch 2 Stunden mehr Freizeit. 2 Stunden mehr Zeit für den Haushalt, die Familie – oder wofür man sich eben die 2 Stunden nehmen möchte. Für ist es vor allem der Vorteil, dass ich zu Hause bin, wenn Laura von der Schule nach Hause kommt.

Neben der Zeitersparnis steht auch die Kostenersparnis. Geld, das ich mit dem Auto verfahren würde, habe ich kurzerhand eingespart. Und nicht zu vergessen ist auch die Wohlfühl-Umgebung ein großer Vorteil. Mein Büro in der Firma ist nicht besonders hübsch – da fühle ich mich in meinem Home Office schon deutlich wohler. Dazu kommt noch, dass ich zu Hause deutlich produktiver bin, weil ich hier einfach meine Ruhe habe und nicht durch Kollegen abgelenkt werde. Ein weiterer positiver Aspekt ist noch, dass ich mir nicht gleich einen ganzen Tag freinehmen muss, wenn mal ein Handwerker ins Haus kommt, der Stromableser sich ankündigt oder wenn mal das Kind krank ist. Ich kann trotzdem arbeiten und mache eben entsprechend eine Pause, wenn ich anderweitig gebraucht werde.

 

Home Office – die Nachteile

Wo Vorteile sind, gibt es bekanntlich aber auch Nachteile. Und davon bringt so ein Home Office gleich eine ganze Menge mit sich.

 

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Als größten Nachteil empfinde ich die Kommunikation und den Informationsaustausch mit Kollegen. Es hat – gerade am Anfang – eine ganze Weile gedauert bis Informationen zu mir durchgedrungen sind. Was im Büro sich über den “Flurfunk” schnell verbreitet, kommt im Home Office nun mal nicht an. Die Kollegen müssen also lernen den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und kurz anzurufen oder eine Mail zu schreiben.

Was ebenfalls gedauert hat, war die Vorurteile auszuräumen. Home Office Mitarbeiter haben es nicht leicht. Viele Kollegen meinen, man würde zu Hause alles andere tun als zu arbeiten und manchmal kann man es schlecht zuordnen; ist es Spaß oder meinen die es tatsächlich ernst? Natürlich ist die Versuchung groß mal eben kurz die Spülmaschine auszuräumen oder durchzusaugen. Es gehört ein ganzes Stück Disziplin dazu sich eben nicht ablenken zu lassen. Und ich persönlich sehe es als Privileg von zu Hause aus arbeiten zu dürfen und denke nicht im Traum daran das auf’s Spiel zu setzen. Auch wenn es verlockend ist, aber Arbeit ist Arbeit und Haushalt ist Haushalt – und der wird nach Feierabend erledigt.

 

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Ein weiterer Nachteil sind die höheren Nebenkosten. Während auf der einen Seite Fahrkosten eingespart werden, steigen die Nebenkosten zu Hause. Der PC läuft nun mehrere Stunden, es wird geheizt wo sonst die Heizung auf Sparflamme laufen würde, wenn keiner zu Hause ist, es wird mehr Wasser verbraucht – sei es für Toilettengänge, Händewaschen oder Kaffeetrinken…

Und zu guter Letzt muss man sich organisieren können. Wer täglich Anweisungen braucht was er zu tun hat, sollte nicht mit dem Gedanken spielen von zu Hause aus zu arbeiten. Ein gute Portion Vertrauen vom Chef muss ebenfalls vorhanden sein und Freunde und Familie brauchen auch eine “Einweisung”. Viele kommen ja auf die Idee einfach mal vorbeizukomen “Du bist ja zu Hause”… Es dauert echt lange bis man seinen Mitmenschen beigebracht hat, dass man tatsächlich arbeitet.

 

Home Office – im Angestelltenverhältnis oder selbstständig

Übrigens macht es einen großen Unterschied ob mal im Angestelltenverhältnis von zu Hause aus arbeitet oder selbstständig ist. Ich kenne inzwischen beide Seiten: vormittags bin ich angestellt und nachmittags selbstständig und stelle oft fest, dass ich nachmittags lange nicht so diszipliniert bin wie vormittags. Schließlich bin ich mein eigener Chef und kann tun und lassen was ich will ;-) Daran muss ich definitiv noch arbeiten….

 

Schreibtisch Arbeiten

 

Habt Ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt von zu Hause aus zu arbeiten? Oder tut Ihr es vielleicht sogar schon? Was sind Eure Erfahrungen?

 

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3 Kommentare

  1. 11. November 2016 / 20:30

    Hallöchen,
    der Gedanke, von zu Hause arbeiten zu können, ist schon sehr verlockend. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass ich dafür einfach zu undiszipliniert wäre. Gerade wenn dann tagsüber noch andere Leute mit in der Wohnung/im Haus sind, lasse ich mich zu gerne ablenken. Keine Ahnung, ob es etwas anderes wäre, wenn ich wüsste, dass ich meinen Job riskiere, aber das Schreiben an meiner Abschlussarbeit fällt mir in dieser Atmosphäre schon sehr schwer. ;-)

    Viele Grüße
    Bloody

  2. 23. November 2016 / 17:21

    Bei mir fängt der Tag damit an, das ich erstmal dusche, mir dann einen Kaffee hole und in ruhe frühstücke. Entweder lese ich dann Zeitung oder ich schau ein bischen TV. Zwischen 8 und 8:30 gehe ich an meinen Schreibtisch im Haus und arbeite. Ich könnte es mir garnicht mehr anders vorstellen. Meine Freundin fährt an einem schlechten Tag 1,5h ins Geschäft, das ist Zeit, die ich frei für mich habe. Dank Homeoffice!

    • Vorstadtleben
      Autor
      23. November 2016 / 17:50

      Hallo Andreas, ja das Duschen habe ich im Artikel unterschlagen :-) Dann kommt ja noch das Schminken (bei Dir wohl eher nicht), Haare machen und so Sachen… Und DANN kann’s losgehen.
      Aber um mal auf das Thema Home-Office zurück zu kommen; ich würde es nicht mehr hergeben wollen.
      Viele Grüße
      Monika

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