Konsequent inkonsequent – oder warum Inkonsequenz nicht immer negativ ist

Heute ist Aschermittwoch – für Einige ein Mittwoch wie jeder andere, für Einige das traurige (und meist verkarterte) Ende der Faschingszeit und für wiederum Andere der Beginn der Fastenzeit.

Wann, wenn nicht heute, wäre also der passendere Zeitpunkt für einen Artikel über Konsequenz – oder eben deren Gegenteil, die Inkonsequenz. Schließlich wollen alle, die es sich zur Aufgabe gemacht haben in der Fastenzeit auf etwas Bestimmtes zu verzichten, das auch die kommenden 40 Tage konsequent durchhalten.

Für mich jedenfalls ein guter Grund heute im Gedankencafé die Gedanken zu genau diesem Thema schweifen zu lassen. Nicht zum Thema Fasten (obwohl auch dazu könnte ich, wenn ich wollte…) – viel eher geht’s mir darum, dass Inkonsequenz eigentlich gar nicht so negativ ist, wie sie oft dargestellt wird.

Gedankecafe Kolumne

Ich will hier nix schönreden…

Eines gleichmal vorweg: ich will hier sicherlich nicht meine eigene Inkonsequenz schönreden, oder gar zur Inkonsequenz anstiften.

Trotzdem möchte ich mich in gewisser Weise für die „ach so schlimme“ Inkonsequenz aussprechen. Sei es in der Kindererziehung, in der Hundeerziehung oder auch bei sich selbst. Und ich fange ganz einfach mal bei mir selbst an. Denn inkonsequent sein – das kann ich!

Aber was ist an Inkonsequenz eigentlich so schlimm?

Für mich ist Inkonsequenz oft gar nicht so negativ, wie das Wort an sich klingt. Inkonsequent zu sein, heißt für mich eine Ausnahme zu machen. Die Grenze ein kleines Bisschen zu verschieben – nur für den Moment. Solange die Inkonsequenz wirklich nur als Ausnahme gesehen wird, dann ist sie für mich auch vollkommen o.k.

Nehmen wir mal das Beispiel Gesunde Ernährung. Sich bewusster und gesünder zu ernähren, mehr Sport zu treiben, ein wenig Hüftspeck zu verlieren – das habe ich mir zu Anfang des Jahres auf die Fahne geschrieben. Und natürlich möchte ich dabei auch konsequent sein und es durchziehen. Ich verzichte auf die kleinen Naschereien zwischendurch, ich esse viel Obst und Gemüse, verzichte Abends (weitestgehends) auf Kohlhydrate, ich laufe wieder.

Und wenn ich Lust auf ein Stück Schokokuchen habe, dann esse ich es auch. Das ist vielleicht inkonsequent – aber würde ich konsequent darauf verzichten, wäre ich sicherlich nicht glücklicher. Fakt ist nun mal, dass Schokokuchen glücklich macht – und wenn es auch für einen kurzen Moment ist ;-) Würde ich das Stück Schokokuchen aber nicht essen, hätte ich definitiv schlechte Laune und damit ist ja auch keinem geholfen.

Schokoladenkuchen Inkonsequenz

Solange die Inkonsequenz eine schöne Ausnahme bleibt, ist dagegen absolut nichts einzuwenden. Nur muss es eben auch eine Ausnahme bleiben – und zum Glück habe ich nicht täglich Lust auf Schokokuchen.

Was ist mir wichtig?

Etwas konsequent durchzusetzen grenzt an Perfektion. Ich meine, wer bitte ernährt sich AUSSCHLIEßLICH gesund? Nie ein Stück Kuchen, nie Schokolade, oder Chips, oder Burger und Pommes, Pizza…. Darauf komplett verzichten könnte ich nicht und gönne mir ganz bewusst diese Leckereien. Dann bin ich eben inkonsequent – na und?

Im Prinzip ist es doch eigentlich die Sicht auf die Dinge: was ist mir jetzt in diesem Augenblick gerade wichtig. Oder was ist das kleinere Übel? Vom Thema Essen kann ich da auch gleich zur Kindererziehung schweifen – denn auch hier bin ich definitiv nicht immer konsequent gewesen.

Jeder kennt wohl die Situation im Supermarkt, wenn man mit Kleinkindern einkaufen geht. Kaum hat man es geschafft das Süßigkeitenregal geschickt mit dem Einkaufswagen zu umfahren, kommt spätestens an der Kasse doch die Herausforderung. Auch wenn es im Vorfeld deutlich gesagt wurde, dass es keine Gummibärchen, Überraschungseier oder Schokoriegel gibt – wird natürlich trotzdem danach gefragt. Und die Antwort lautet: Nein!

Nachdem das lautstarke Kleinkind aber weitere drölfzig mal gefragt hat, bin ich manchmal doch eingeknickt und habe das Überraschungsei, die Gummibärchen, den Schokoriegel – oder was auch immer gerade das Objekt der Begierde war – gekauft. Und natürlich ist es inkonsequent, aber manchmal hat man eben keine Lust auf Auseinadersetzungen. Nach einem langen Tag im Büro, wenn sowieso alles blöd lief, die Kunden besonders anspruchsvoll oder nervig, der Chef den Schreibtisch mit dringend zu erledigenden Aufgaben zugemüllt hat…. dann hat man definitiv keine Lust auf Auseinandersetzungen und gibt nach.

Deswegen hat mein Kind aber trotzdem nicht gelernt, dass es nur lange genug quengeln braucht um zu bekommen was es möchte. So lange es eben nur eine Ausnahme bleibt… na, Ihr wisst schon.

Kinder brauchen Bewegung

Ausnahmen bestätigen die Regel

Das alte Sprichwort ist zwar irgendwie ein Widerspruch in sich, aber trotzdem irgendwie wahr. „Ausnahmen bestätigen die Regel“ – solange es wirklich nur Ausnahmen bleiben, schaden sie sicherlich auch keiner Kindererziehung.

Ganz im Gegenteil. Inkonsequenz macht das Leben an mancher Stelle ein Stück weit entspannter. Manchmal sollte man gewisse Dinge einfach etwas gelassener sehen – auch mal Fünfe gerade sein lassen. Was ist schon so schlimm daran, mal am Wochenende ein Stück Schokokuchen zu essen oder dem Kind den Schokoriegel an der Kasse zu kaufen? Davon geht die Welt nicht unter, keiner nimmt von einem Stück Kuchen wieder 5 Kilo zu und auch dem Kind fallen nicht nach dem Genuss von dem gekauften Schokoriegel die Zähne aus. Kinder kommen auch durchaus mal mit Inkonsequenz klar – das sind nämlich ganz schön schlaue kleine Wesen und können durchaus erkennen, dass es sich um eine Ausnahme handelt und Mama nächstes Mal wieder definitiv „Nein“ sagen wird.

Inkonsequenz ist vollkommen menschlich und manchmal dürfen wir die Dinge eben nicht so eng sehen.

Das Leben ist schließlich auch nicht konsequent. Oder läuft bei Euch immer alles nur nach Plan? Das Leben erfordert Flexibilität, manchmal eben andere Entscheidungen, Richtungswechsel…. Es kann nicht immer alles nach Plan laufen. Machmal muss man eben das Große Ganze sehen und die richtigen Schlüsse ziehen. Manchmal passt das eben nicht zu den (oft selbst auferlegten) Regeln – dann ist das halt so!

Konsequent dranbleiben – Inkonsequenz zulassen

Inkonsequent zu sein, ist für mich jedenfalls nicht gleichzusetzen mit Scheitern. Um mal bei dem Schokokuchen zu bleiben: ich kann ein Stück davon essen ohne eine Diät als gescheitert zu erklären. Ich kann auch mal ein Lauftraining ausfallen lassen (bei Windgeschwindigkeiten von 90 Stundenkilometern geht doch wirklich kein Mensch joggen) und bleibe aber trotzdem weiterhin dabei. Dann gehe ich eben ein oder zwei Tage später wieder laufen.

Nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren, aber trotzdem ab und zu mal inkonsequent sein dürfen – das ist eine Einstellung mit der ich bisher ganz gut gefahren bin. Nicht alles muss ganz konsequent durchgezogen werden – manchmal kommt man mit mehr Gelassenheit (und ein bisschen Inkonsequenz) viel entspannter an’s Ziel. Und manchmal ist es auch einfach nicht wert, konsequent zu bleiben…

Gedankencafe kaffee laptop veraenderungen

Ich werde jedenfalls konsequent meinen Kaffee weitertrinken und mir Gedanken machen worauf ich in den nächsten 40 Tagen der Fastenzeit mehr oder weniger konsequent verzichten könnte. Kaffee wird es definitiv nicht sein – so viel steht schonmal fest.

Bis zum nächsten Mal – im Gedankencafé…

Eure

Signatur Moni

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