Polnische Gastfreundschaft, der Esstisch als Mittelpunkt und leckere Pierogi mit Blaubeeren

Aus meiner Herkunft mache ich kein Geheimnis, ich binde sie aber auch nicht jedem gleich auf die Nase. Viele sind deshalb überrascht, wenn ich in einem Gespräch erwähne, dass ich in Polen geboren bin. „Man hört gar nicht, dass Du Polin bist“ – kommt dann meist als Reaktion. Bin ich auch nicht.

Genau genommen bin ich in Oberschlesien geboren, was ein ehemals deutscher Teil Polens ist und habe Deutsche Wurzeln. Ich bin als sogenannter „Spätaussiedler“ schon im Kindesalter nach Deutschland gekommen und Kinder lernen Sprachen eben schnell und im besten Fall sogar akzentfrei. Ich spreche zwar noch polnisch, aber eher schlecht als recht (es ist eher der schlesische Slang) und eigentlich verbindet mich nicht wirklich viel mit Polen. Ich bin in Polen geboren und ein Teil meiner Familie wohnt auch noch dort – es fühlt sich aber nicht nach „Heimat“ an und Polin war ich tatsächlich nur bis zu meinem 10. Lebensjahr auf dem Papier.

Und trotzdem sind da gewisse Dinge, mit denen ich in Polen aufgewachsen bin, die aus mir einfach nicht rauszukriegen sind. Ich mag die polnische Küche und die polnische Gastfreundschaft – auch wenn die bedeutet, dass man manchmal viel mehr essen muss als man eigentlich möchte ;-)

Esstisch essen deko blumen

Die polnische Gastfreundschaft – Essen ist Pflicht!

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass Besuch immer recht unangekündigt vor der Tür stand – und trotzdem war nach kurzer Zeit der Esstisch voll mit irgendwelchen Leckereien. Wie meine Mutter das hinbekommen hat, ist mir bis heute ein Rätsel – ich persönlich brauche da eine gewisse Vorlaufzeit.

In Polen ist es jedenfalls üblich seinen Gästen immer etwas zu essen anzubieten. O.k. eigentlich wird es nicht nur angeboten, man wird quasi freundlich „genötigt“ zu essen. Und zwar viel zu essen! Die Auswahl, die eine Gastgeberin in Polen auffährt ist auch wirklich beachtlich! Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wie man das von jetzt auf gleich schafft, aber es geht. Die polnische Gastfreundschaft definiert sich einfach über das Essen – über viel Essen!

polnische kueche pierogi z jagodami

Der Besucher wird immer gleich an den Esstisch geführt, der nach relativ kurzer Zeit vollgeladen mit lauter Leckereien ist – und dann heißt es zugreifen!

Der Esstisch als Mittelpunkt

Tatsächlich ist es auch bei mir so, dass ich meinen Besuch gerne zu Tisch bitte. Der Esstisch ist sowas wie ein Mittelpunkt, wo gerne zusammengesessen wird – hier findet einfach das Leben statt. Hier wird nicht nur gegessen, hier wird auch diskutiert, gelacht, gefeiert, gearbeitet… und eben auch Besuch empfangen.

In Polen ist es so, dass dieser Tisch meist in der Küche steht – ein großer Küchentisch, an dem das Leben stattfindet. Bei uns steht dieser Tisch im Wohn-/Esszimmer. Aktuell ist es zwar leider nicht der Tisch, den ich mir hier wünschen würde – aber dieser Tisch, der in meinem Kopf herumspukt, muss wohl erst noch gebaucht werden.

esszimmer esstisch

Mein Opa in Polen war Tischler. Wenn er noch leben würde, würde ich ihn bitten mir einen Esstisch genau nach meinen Vorstellungen zu bauen. Leider kann ich das mehr und so lebe ich eben mit diesem Kompromiss-Tisch…

Der Gedanke von diesem perfekten Esstisch geht mir dennoch nicht aus dem Kopf. DEN perfekten Tisch habe ich allerdings noch nicht entdeckt – wie gesagt, der müsste wohl erst noch gebaut werden. Wenn ich einen Tisch sehe, der mir gefällt, hat er entweder die falschen Maße oder die falsche Holzart – oder aber Maße und Holzart der Tischplatte stimmen, dann gefällt mir aber das Gestell nicht. Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt selbst einen Esstisch zu bauen, aber dafür hat mein Mann leider den falschen Beruf gelernt – ein Tisch aus Stahl kommt nicht Frage ;-)

tischkante

Was ich allerdings ganz genau will, kann ich auch nicht so richtig in Worte fassen. Ich brauche einfach mehrere Vorschläge aus denen ich auswählen kann. Meinen eigenen individuellen Tisch konfigurieren, der dann nach meinen Wünschen gebaut wird. Auf der Suche nach genau so einen Konfigurator bin ich schließlich auf Pickawood gestoßen, die genau das anbieten: Möbel nach Maß und nach den eigenen Wünschen konfiguriert. Der einzige Haken an der Sache: ich kann mich einfach nicht endgültig entscheiden!

Bis die endgültige Entscheidung gefallen ist, wird eben weiterhin an unserem „Kompromisstisch“ Besuch empfangen und verköstigt. Und weil mir die polnische Gastfreundschaft scheinbar irgendwie mit in die Wiege gelegt wurde (wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie es in Polen üblich ist), versuche ich auch immer für meine Gäste etwas Leckeres zu zaubern. Selbst wenn sich „nur“ meine Eltern auf eine Tasse Kaffee ankündigen, überlege ich fieberhaft welchen Kuchen ich auf die Schnelle backen könnte…

Bei meiner Mutter ist das wiederum anders – hier braucht man sich nicht vorher ankündigen. Und wenn es gerade keinen Kuchen im Vorratsraum gibt, dann ist das auch kein Drama. Ein kurzer Check, was die Küche so hergibt und Ruckzuck steht eine Leckerei auf dem Tisch.

Pierogi mit Blaubeeren ausstechen
Pierogi mit Blaubeeren Rezept

Pierogi mit Blaubeeren – typisch polnische Süßspeise

Aus wenigen Zutaten ist der Teig geknetet, mit Blaubeeren gefüllt und in gerade Mal 3 Minuten fertig gekocht – die typisch polnischen Pierogi (ausgesprochen: Piärogi) sind eine beliebte Süßspeise und eines meiner absoluten Lieblingsgerichte aus meiner Kindheit.

Typischerweise werden sie mit geschmolzener Butter serviert und mit Zucker bestreut – mit einer schnell gemachten Blaubeersoße sind die süßen Teigtaschen aber noch eine Spur leckerer. Und wenn ich hier schon so von der polnischen Gastfreundschaft schwärme, darf das Rezept für ein typisch polnisches Gericht doch keinesfalls hier im Küchenschmecktakel fehlen – guten Appetit!

Pierogi mit Blaubeeren

Rezept Pierogi mit Blaubeeren Heidelbeeren
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Vorbereitungszeit20 Min.
Kochzeit3 Min.
25 Stück

Zutaten:

  • 300 g Weizenmehl
  • 110 ml warmes Wasser
  • 1 EL Öl
  • 1 Ei
  • 1 Prise Salz
  • Blaubeeren
  • Zucker

optional für die Blaubeersoße:

  • Blaubeeren
  • Zucker
  • Speisestärke

Anleitung:

  • Mehl, Wasser und Öl zu einem Teig verkneten.
  • Das Ei dazugeben und einige Minuten weiterkneten. Sollte der Teig zu klebrig sein, noch etwas Mehl dazugeben.
  • Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen und Kreise ausstechen (zum Beispiel mit einem Glas – hier ca. 8 cm Durchmesser)
  • Die Blaubeeren auf die einzelnen Teiglinge geben, eine kleine Prise Zucker drüberstreuen (nach Geschmack) und Teigtaschen daraus formen. Die Ränder fest mit den Fingern zusammendrücken.
  • In einem großen Topf Wasser zum Kochen bringen und die Teigtaschen darin ca. 3 bis 4 Minuten köcheln lassen.
Traditionell werden die Teigtaschen mit geschmolzener Butter serviert und mit Zucker bestreut. Mit einer schnell gemachten Blaubeersoße sind sie aber noch schmackhafter! Dafür einfach Blaubeeren mit einer kleinen Menge Wasser in einem Topf aufkochen, nach Geschmack Zucker dazugeben und ein paar Minuten einkochen lassen. Mit Speisestärke abbinden und servieren. 
 
 
Pierogi mit blaubeeren rezept kuechenschmecktakel

Lasst es Euch schmecken!

Eure

Signatur Moni

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