Achtung Pubertät! Warum ich es trotzdem liebe, Mutter eines Teenagers zu sein

Laura ist 15 – ein Teenager und mitten drin in der Pubertät. Eine Phase, die oft von schlechter Laune geprägt ist, in der Eltern sowieso peinlich sind und von nichts (aber auch gar nichts) Ahnung haben und in der die Kids (na ja, genaugenommen sind es ja keine Kids mehr – und schon gar nicht, wenn man die Pubertierenden selbst fragt) einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen – zumindest von ihren Eltern und Lehrern.

So jedenfalls die Theorie. In der Praxis müssen Eltern von Teenagern außerdem noch mit einsilbigen Antworten zurechtkommen (wenn überhaupt), – zumindest wenn man sie etwas fragt. Wenn es darum geht etwas für sich zu wollen, wird wiederum diskutiert bis zum Erbrechen. Außerdem wäre da noch das Chaos im Teeniezimmer (inklusive Teller und Tassen, die schon ein Eigenleben entwickeln), schlechte Laune am Morgen (und Mittags und Abends und überhaupt), Respektlosigkeit…. ach, ich könnte die Liste ewig fortführen und wäre noch lange nicht fertig. Die Liste der Teenager-Klischees ist lang.

Und auch wenn meine eigene Teenagertochter einige dieser Klischees mit Bravour erfüllt (mal mehr mal weniger), liebe ich es Mutter dieses wunderbaren Wesens zu sein. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass ich es in der Teenagerzeit noch mehr liebe Mutter zu sein, als bisher schon. Und das hat auch seine guten Gründe…

Teenager tochter meer sonnenuntergang

Das Leben mit einem Teenager im Haus

Neulich wurde ich mal wieder gefragt, wie es denn so wäre – das Leben mit einem Teenager im Haus. Schließlich seien ja Teenager grundsätzlich aufmüpfig, frech, zickig und respektlos. Was genau möchte der Fragende als Antwort hören? Eigentlich hat er sich doch die Antwort eh schon im Kopf zurechtgelegt und wartet darauf, dass das Klischee bestätigt wird. Schon alleine das Wort „Pubertät“ klingt für viele wie eine Bedrohung .

Und dann kommt der überraschte und leicht ungläubige Blick, wenn ich antworte, es sei gar nicht so – ganz im Gegenteil, ich genieße es richtig eine Tochter im Teenageralter zu haben. Ob man mir glaubt oder nicht – mir egal! Fakt ist, dass das Leben mit dieser jungen Erwachsenen anders ist, als mit einem (Klein-)Kind – aber diese Veränderung ist nicht (wie viele meinen) zwangsläufig schlecht.

Nicht nur der Teenager verändert sich, indem aus dem Kind ein junger Erwachsener wird – sondern auch das ganze Familiensystem. Und mir persönlich kommt diese Veränderung sehr gelegen.

Ich liebe es Mutter eines Teenagers zu sein!

Teenager sind keine Kinder mehr – sie sind junge Erwachsene. Und man kann sich auch tatsächlich mit Ihnen wie mit Erwachsenen unterhalten. Sie haben ihren Standpunkt, den sie vertreten (auch wenn uns Eltern dieser Standpunkt manchmal nicht passt), sie haben ihre eigene Meinung, sie argumentieren, sie debattieren. Und das ist auch gut so.

Man kann mit diesen pubertierenden jungen Erwachsenen über Dinge reden, mit denen man mit Kindern nicht redet. Und wenn der Partner beruflich auch ganze Nachmittage und Abende weg ist, dann hat man einen (halbwegs) erwachsenen Gesprächspartner zu Hause. Man kann sich austauschen – und nicht nur Geschichten vorlesen.

Teenager Maedchen mit Vater am Meer

Teenager brauchen keine Rundumbetreuung und Bespaßung. Sie müssen nicht gefüttert und gewickelt werden. Teenager ziehen sich alleine an und gehen alleine ins Bett. Im besten Fall können sie sich auch eine Mahlzeit zubereiten – sie verhungern jedenfalls nicht, wenn man ihnen keine Mahlzeit vor die Nase setzt.

Das bedeutet für mich als Mutter einfach mehr Freizeit / Freiheit. Meine Tochter kann sich selbst versorgen. Ich kann meine Termine so legen wie ich das möchte und muss nicht darauf achten, dass zu der Zeit gerade mein Kind von der Schule nach Hause kommt und etwas zu essen braucht. Ich kann auch Abends mal weggehen und muss keinen Babysitter organisieren.

Teenager können außerdem Verantwortung übernehmen. Wo wir doch schon dabei sind, dass ich als Mutter – oder wir als Eltern – auch einfach mal ausgehen wollen. Der Teenager hat in unserem Fall dann die Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Vierbeiner im Haus. Füttern und Gassigehen hören sich zwar banal an – es muss aber gemacht werden und der Teenager kann die Verantwortung für andere Lebewesen auch durchaus übernehmen.

Die gewonnen Freiheiten, die ein Leben mit einem Teenager mit sich bringt, sind einfach unbezahlbar. Ich bin gerne Mutter und ich habe auch gerne Zeit mit einem (Klein-)Kind verbracht und mich gekümmert. Ich genieße es aber sehr, mich jetzt nicht mehr so intensiv kümmern zu müssen. Es ist schön, gebraucht zu werden – aber genau so schön ist es auch, wenn man nicht mehr ständig gebraucht wird.

Teenager Vater und Tochter

Dass bestimmte Handlungen und Taten auch bestimmte Konsequenzen haben, ist den jungen Erwachsenen ebenfalls bewusst. Sie leben nicht, wie kleinere Kinder, im Hier und Jetzt – sie wissen genau, dass sie am nächsten Tag müde sein werden, wenn sie bis spät in die Nacht am Computer zocken oder Netflix gucken. Sie wissen genau, dass es eine Standpauke der Eltern gibt, wenn man nicht zur Verabredeten Zeit zu Hause erscheint.

Sie wissen es. Aber sie wägen (vermutlich) ab. Wenn das Zusammensein mit den Freunden doch gerade so cool ist, dann wird das eben in Kauf genommen, dass die Eltern bei der späteren Ankunft zu Hause erstmal rummotzen. Aber mal ehrlich – waren wir im Teenageralter nicht genau so?

Manchmal hilft es einfach an die eigene Teenagerzeit zurück zu denken. Wie waren wir selbst? Wie haben wir uns verhalten? Was hatten wir für Gedanken? Wir Eltern müssen uns einfach vor Augen halten, dass Teenager zwar junge Erwachsene sind, es ihnen aber aber deutlich an Lebenserfahrung fehlt. Sie machen Fehler – und das müssen sie manchmal auch um daraus zu lernen.

Eine ganz besondere Lebensphase

Das Teenageralter ist in meinen Augen eine ganz besondere Lebensphase – für beide Seiten. Für die Eltern genauso wie für die jungen Erwachsenen. Manchmal finden sie uns blöd und peinlich – aber sie wissen ganz genau, dass wir sie lieben. Und sie lieben uns – auch wenn sie es nicht immer zugeben wollen ;-)

Teenager Selfie mit Vater

Vertrauen ist dieser Lebensphase ganz besonders wichtig. Das fällt nicht immer leicht, aber es muss sein. Und natürlich bedeutet Vertrauen gleichzeitig auch Angst. Natürlich habe ich als Mutter Angst – vor dem erstem Vollsuff, vor K.O.-Tropfen, Mobbing, Arschlöchern, Drogen, falschen Freunden, falscher Selbsteinschätzung… Aber ich hatte auch Angst vor dem plötzlichen Kindstod im ersten Lebensjahr, vor Erdnüssen in der Luftröhre, vor dem ersten Ausflug ins Freibad alleine… jede Lebensphase birgt irgendwelche Gefahren – aber wir müssen eben vertrauen. Und Reden.

Das große Ganze

Selbstverständlich ist auch bei uns nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Es gibt auch schlechte Laune, Aufmüpfigkeit, Streit und Chaos und gammeliges Geschirr im Teeniezimmer. Und manchmal frage ich mich „Was habe ich bloß falsch gemacht?“.

Wenn ich aber das große Ganze betrachte, dann überwiegt definitiv die Zufriedenheit über das Muttersein. Ich bin gerne Mutter eines Teenagers. Ich sehe mit Stolz und Zufriedenheit, wie aus dem Kind eine junge Erwachsene wird. Auch wenn das Eine oder Andere bestimmt besser laufen könnte. Ich bin stolz – auf sie UND auf mich. Irgendwas habe ich (oder besser gesagt: haben wir) in der Erziehung doch richtig gemacht….

Mutter Tochter Teenager Selfie

Genau so, wie es unsere Eltern auch mit uns gemacht haben. Schließlich waren wir in der Pubertät nicht viel anders – wir haben ausprobiert und Grenzen ausgetestet. Wir haben unsere Eltern geärgert und ihnen Sorgen bereitet – und trotzdem ist letztendlich aus uns was geworden ;-)

Die Pubertät ist eben auch nur eine Phase, die irgendwann vorbei geht….

Eure

Signatur Moni

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